Loreta

Die Loreta-Kapelle (Loreta) ist ein Bauwerk, das die Sankt Hütte im italienischen Loreto imitiert. Diese Sakramentshäuser wurden in ganz Europa vor allem im 16. bis 18. Jahrhundert als einer der Ausdrücke der Marienfrömmigkeit im Barock erbaut. Loreto wurde seit dem 14. Jahrhundert zu einer berühmten Wallfahrtstätte, auf der Steine abgelegt wurden, die aus der Hütte stammten, in der die Jungfrau Maria in Nazaret gewohnt haben soll. Die Steine wurden Ende des 13. Jahrhunderts unter Mithilfe der Familie Angeli nach Italien gebracht, deren Name wahrscheinlich zur Entstehung einer Legende über die wundertätige Übertragung der Hütte der Jungfrau Maria durch die Engel beigetragen hat. Zu Loreto knüpften sich auch Sagen über wundertätige Heilungen, die der Schwarzen Jungfrau Maria aus Loreta zugeschrieben wurden.

Der Glockenturm bei Loreta und der Kirche St. Johannes
Der Glockenturm bei Loreta und der Kirche St. Johannes
verbirgt neben dieser größeren, spätgotischen Glocke mit Abbildung der Kleinen Kalvaria und Symbolen der vier Evangelisten auch eine Barockglocke, die von J.Zk Krecker gegossen wurde.
Das Gemälde in der KuppelDas Gemälde in der Kuppel

aus dem Jahre 1725 stellt die Verherrlichung der Jungfrau Maria dar und ihr Autor ist der Maler F. Ř. I. Eckstein. In den Zwickeln sieht der Besucher die Evangelisten und Ordensdenker sowie Festaussagen, die sich auf die Gottesmutter beziehen.

Das Portal der Loreta-KapelleDas Portal der Loreta-Kapelle
schuf J. Kristián Pröbstl vor dem Jahre 1726. Die Engel tragen einen Pfeilersims mit den sich an die Jungfrau Maria wendenden Bittstellern, die über die Kartusche die Putten anheben. Das Relief erfasst auch ein Modell der St. Hütte.
Die Skulpturengruppe Ecce homo Die Skulpturengruppe Ecce homo
von J.J. Schauberger befindet sich auf dem Balkon beim Scheitel der St. Treppen, über dem Altar mit der Skulptur des Christus Herzens und weiterem Skulpturenschmuck.
Die Sankt HütteDie Sankt Hütte
zeichnet sich im Interieur durch Zinn- und Messingelemente und Gemälde an künstlich gebildeten Putzfragmenten aus.
Die Sankt Treppe Die Sankt Treppe
über 28 Tritte. Reliquien verzieren an der Brüstung die Engelskulpturen mit Mitteln der Passion. Am Fuß des Treppenhauses finden wir die stuckierten Figuren der Jungfrau Maria und des St. Johannes.

Die Kirche

Die Kirche St. Johann bildet seit dem 13. Jahrhundert einen untrennbaren Bestandteil der Stadt Brünn, wenngleich ihre Gestaltung sich während der Jahrhunderte geändert hat, vor allem in der Barockzeit, nach dem durch den Architekten Mořic Grimm durchgeführten Umbau. Heutzutage wird die Kirche durch einen einschiffigen Raum und ein gestrecktes Presbyterium, das bereits seit dem Mittelalter für den Bettelorden typisch war, zu denen auch die Minoriten gehören, gebildet. Die Kirche bildet einen Kern des Geländes des Minoritenklosters, an seine Nordwand klammert sich die Loreta-Kapelle, an die Südwand dann der Klostergang mit dem Paradiesgarten.
Das Westliche Portal der KircheDas Westliche Portal der Kirche
das sich in die Minoritská-Straße öffnet, verziert eine Reihe der Barockskulpturen der Heiligen von den Bildhauern J. K. Pröbstl und J. J. Schauberger. Die Fassade ist durch vertikale Pilaster mit Kompositkapitelln gegliedert, die horizontale Gesimse tragen.
Das KircheninterieurDas Kircheninterieur
interessiert heutzutage den Besucher mit der ausgewogenen Verknüpfung der Barockarchitektur, Malereien und dem Skulpturenschmuck. Außer dem Hauptalter mit dem Bild von J. Stern und Seitenaltären in den Nischen, können wir auch die Emporenbühne und Orgel, verziert mit Engelstatuen mit Musikinstrumenten, bewundern. Die Gemälde am Gewölbe fertigte J. J. Etgens.
Der Altar
des Sankt
Kreuzes
Der Altar des Sankt Kreuzes

Das Kloster

Die Minderen Brüder siedelten sich in Brünn bereits in den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts an und seit dieser Zeit wurde der Klosterkomplex der Minoriten zu einem untrennbaren Bestandteil der Stadt, die er schon fast 800 Jahre geistlich und kulturell anreichert. Trotzdem wir auf dem Gelände auch einige sehr wertvolle mittelalterliche Denkmäler finden, nehmen wir heutzutage vor allem seine Barockgestalt aus dem 18. Jahrhundert wahr, an der sich vor allem der Architekt Mořic Grimm beteiligte.
Ansicht des Paradiesgartens des Klosters

Ansicht des Paradiesgartens des Klosters.


Die WandgemäldeDie Wandgemälde
vom Anfang des 18. Jahrhunderts befinden sich im Klostergang und in einigen überlieferten Szenen die Bilder der Christus Passion. Dem Betrachter stellen sie dar: Christus Krönung, Ecce homo, das Tragen des Kreuzes und den Leidensweg Christus. Es handelt sich um ein sehr wertvolles Werk, sowohl mit noch gotischen Elementen, als auch mit Renaissanceelementen, die durch große Meister aus Oberösterreich beeinflusst wurden.
Das Portal in den KapitelsaalDas Portal in den Kapitelsaal
befindet sich im östlichen Schenkel des Klosterganges. Das Säulenportal aus den 70er Jahren des 13. Jahrhunderts ist das älteste überlieferte Klosterdenkmal und dank dessen können wir uns eine Vorstellung über die Gestalt der hiesigen gotischen Architektur machen. An dem Stein sind die Reste der roten und grünen Polychromie zu erkennen. An der Spitze der Archivolte ist das Portal mit einer Skulptur des Engels mit Weintrauben verziert. Dieses Denkmal, das über lange Zeit eingemauert war, entdeckten die Archäologen im Jahre 1998.
Die Steinskulptur der MadonnaDie Steinskulptur der Madonna
aus dem Zeitraum um 1400 befindet sich heutzutage in dem ehemaligen Kapitelsaal; früher stand sie in Loreta, jedoch ihre ursprüngliche Platzierung sowie den Autoren kennen wir nicht. Mit ihrer heutigen Installation ergänzt die Skulptur gut den Raum des Kapitelsaales, wo man die Elemente der mittelalterlichen Architektur und Gemäldefragmente sehen kann. Die Jungfrau Maria mit dem Christkind erreicht Lebensgröße, der Besucher kann zahlreiche Falten an Marias Kleid bewundern und interessant ist auch die Bewegung, mit der das Kind mit dem eigenen Fuß spielt.

Minoritenkloster in Brünn

 

Aus der Geschichte des Minoritenklosters in Brünn


Die Ankunft des Minoritenordens spielte eine wichtige Rolle bei der Gestaltung Brünns als mittelalterliche Stadt, die in den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts gipfelte. Nach der Klosterchronik wird Jan Velen von Boskowitz für den Begründer des Klosters gehalten, und aus den gleichen Quellen erfahren wir auch über die Weihe der Minoritenkirche des Heiligen Johannes des Täufers, die der Olmützer Bischof Bruno im Jahre 1257 durchführte.

Zur Zeit des Mittelalters mussten sich die Minoriten mit zwei zerstörenden Bränden abfinden, und das dank der Hilfe des Stadtrates und dem Geschlecht derer von Boskowitz. Während des Hussitenkrieges begaben sich viele Minoriten aus Böhmen und die Prämonstratenser aus Zabrdowitze ins Kloster des Heiligen Johannes. Nach Abschluss dieser Kämpfe berief Kvardian Johannes Hufnagl die neuen Ordensbrüder aus Italien, wodurch es zur Annäherung zu dortigen Geistes- und Kulturströmungen kam. In dieser Zeit war das Kloster auch der Sitz der Böhmisch-Polnischen Provinziale und wurde durch sein Ordensstudium berühmt. Anfang des 16. Jahrhunderts erfreute sich das Kloster der Gunst der Stadtbewohner und so kam es zu einer weiteren Anhebung seiner Bedeutung.

Während des Ständeaufstandes in den Jahren 1619-1620 wurden für katholische Gottesdienste in Brünn, neben der Dominikanerkirche, nur die Minoritenkirche des Heiligen Johannes gelassen, in andere Kirchen wurden die Lutheraner eingeführt. Im Jahre 1733 beendet Mauritz Grimm die Barockisierung des ganzen Objektes, bei der die bedeutenden Bauwerke der Loretokapelle und den Heiligen Treppen entstanden. Die Blütezeit des Konvents erreichte in der Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Gipfelpunkt und deshalb löschte Josef II. im Rahmen seiner Reformen das Kloster nicht. Im Jahre 1784 kam es zur Umwandlung des Klostertempels zur Pfarrkirche, deren geistliche Verwaltung den Minderen Brüdern überlassen wurde.

Das Minoritenareal überstand zwar die nazistische Okkupation, aber am Ende des Krieges wurde es durch Bombardieren beschädigt. Im Jahre 1950 annektierte das kommunistische Regime das Kloster. Nach dem Sturz des Kommunismus traten jedoch die Minderen Brüder wieder in ihr Kloster ein, was sie als einziger Orden in der Stadt schon fast seit 800 Jahren auf dem gleichen Platz taten.

Besichtigungen


Zurzeit bereitet der Konvent der Minoriten in Brünn für Sie die Besichtigungsmöglichkeiten des Klosterareals, und zwar für Gesellschaftsreisen, Schul- oder andere Exkursionen und Gruppen mit der Anzahl von 5 bis 30 Personen vor. Die Termine und der Umfang der Besichtigungen sind unter der nachstehend genannten Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zu erhalten.

Kontakt


Konvent minoritů in Brünn
Minoritská 1, 602 00 Brünn
Tel: +420 542 215 600
Email: brno@minorite
http://brno.minorite.cz